29.06.2006

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Handel

 

 

Ver.di Handelskonferenz in Berlin richtet Scheinwerferlicht auf Diskounter:

Lidl, Wal-Mart & Co kämpfen um billigere Preise und schaden damit den gesamten Vertriebsweg

Nirgendwo auf der Welt konnte das Konzept der Hartdiskounter den Einzelhandel so erfolgreich durchdringen wie in Deutschland. Hier haben die Lidls, Aldis und andere einen unglaublichen Marktanteil von 40 Prozent erreicht. Nicht nur ver.di, Deutschlands grösste Gewerkschaft, ist besorgt über das Ausmass der Auswirkungen auf den gesamten Vertriebsweg.

Zwei Tage lang wurden Deutschlands Diskounter und ihre Geschäftskonzepte auf einer Konferenz von ver.di Einzelhandel unter die Lupe genommen. Diskussionen und Präsentationen richteten sich auf den gesamten Vertriebsweg unter besonderer Berücksichtigung der empfindlichsten Bereiche. Gemeint ist der Produktionsbereich in Entwicklungsländern. Die Gewerkschaft wird nun weitere Schritte unternehmen und ein Netzwerk errichten, welches alle Organisationen umfassen soll, die versuchen wollen, die sozialen Bedingungen im gesamten Vetriebsweg zu verbessern.

Eine zweitägige Konferenz in Berlin brachte eine beachtliche Gruppe von Handelsunternehmen, Arbeitgeberverbänden, Verbrauchergruppen, Nichtregierungsorganisationen, Handelsexperten und Gewerkschaftern zusammen. Ziel war die Bewertung der Auswirkungen des Diskounterkonzepts. Unvermeidlich war die besondere Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf Wal-Mart und Lidl, die führenden Unternehmen bei der Preissenkung durch Schröpfung der Arbeitskosten.

- Ihr operatives System trifft die Arbeitnehmer schwer, die die Zeche für den fortwährenden Preiskampf zahlen müssen, so Ulrich Dalibor, Ver.dis Einzelhandelssekretär. - Für uns ist es wichtig zu sehen, wie wir diese einordnen können. Ansonsten werden sie weiterhin einen zerstörenden Einfluss auf die Bedingungen in der gesamten Vertriebskette haben.

UNI Generalsekretär Philip J. Jennings sprach auf der Konferenz und betonte den Wert von globalen Vereinbarungen mit multinationalen Unternehmen, die sozial verantwortlich handeln wollen. Er verwies auch auf die wichtige Rolle des Europäischen Sozialdialoges zwischen UNI-Europa Handel und EuroCommerce. Dies werde verdeutlicht durch die Vereinbarung über soziale Unternehmensverantwortung.

Neues Schwarzbuch erhältlich

Jetzt erscheint ein neues Lidl-Schwarzbuch auf dem deutschen Markt. Dabei ist der Titel "SchwarzBuch" ist in Anlehnung an den Unternehmensgründer Dieter Schwarz gemeint. Veröffentlicht durch ver.di und herausgegeben von Andreas Hamann enthält die 120-seitige Publikation Augenzeugenberichte von Lidl-Arbeitern und Gewerkschaftern aus ganz Europa.

Lidl musste sich in vielen Ländern an die Gewerkschaften anpassen, Sozialdialog aufnehmen und Tarifverträge verhandeln. In anderen Ländern ist es den Gewerkschaften bisher nicht gelungen, das Unternehmen zu einer ordentlichen Verhaltensweise zu zwingen. Das Ergebnis war eine Atmosphäre voller Angst und Bedrohung. Dies stellt besonders in den neuen Märkten in Mittel- und Osteuropa ein Problem dar, wo Lidl seinen schlechten Ruf aus Deutschland noch übertrifft. Das Unternehmen gilt als begieriger Jünger von Wal-Mart bei der Beschränkung von Arbeitnehmerrechten.

Wie bei Wal-Mart nähern sich die Mitgliedsorganisationen Lidl auf verschiedenen Wegen an. Dies hängt auch von den jeweiligen Arbeitsbeziehungen in den Ländern ab. Einig sind sie sich aber in ihrer Forderung an den deutschen Hartdiskounter, endlich die Menschen- und Gewerkschaftsrechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland zu respektieren, sowie in anderen Ländern, wo dies immer noch ein Problem darstellt. Diese gemeinsame Forderung wurde auf der Berliner Konferenz bestätigt, an der eine grosse Zahl an Mitgliedsorganisationen von UNI Handel aus der ganzen Welt mit grossem Engagement teilnahmen.