29.06.2006
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Einzelhandelsgewerkschaften aus aller Welt treffen sich in Berlin: UNI Handel schliesst Bündnis gegen Walmartisierung Wal-Mart und Walmartisierung standen in der vergangenen Woche in Berlin im Mittelpunkt einer eintägigen Konferenz von UNI Handel, an der Mitgliedsorganisationen aus aller Welt teilnahmen. Viele dieser Gewerkschaften organisieren bei Wal-Mart und einige haben bereits erfolgreiche Tarifvertragsverhandlungen geführt. Mehr als nur eine Strategie reflektiert dies die Kraft dieser Gewerkschaften, wie auch die Stärke der nationalen Gesetzgebung und der Verfahren in den Ländern, in denen der Einzelhandelsmulti tätig ist
Die Teilnehmer kamen von Mitgliedsorganisationen von UNI Handel aus aller Welt. Von links nach rechts: Jörgen Hoppe und Christine Asmussen, Dänemark, Joanne McGuinness, Vereinigtes Königreich, und Ricardo Patah, John Fernandez und Nilton Souza da Silva, Brasilien. Es gab keinen Zweifel: Walmartisierung ist eine gefährliche Bedrohung für ordentliche Lebens- und Beschäftigungsbedingungen für Frauen und Männer auf der ganzen Welt, ganz egal, in welchem Arbeitsbereich sie tätig sind. Allein die Grösse des weltgrössten Arbeitgebers, gepaart mit der Brutalität bei der Kostensenkung um jeden Preis, macht Wal-Mart mehr und mehr zu einem Vorläufer, dem andere folgen. Philip Jennings, Generalsekretär von UNI, betonte die Risiken eines solchen Unternehmensmodells - Das Unternehmensmodell Wal-Mart wird in der Geschäftswelt bewundert. Die Vorgehensweise von Wal-Mart lautet "Immer Niedrigpreise". Dies leitet alle Entscheidungen in Hinsicht auf Verbraucher, Arbeitnehmer, Lieferanten und die breite Gemeinschaft. - Wir sagen, dass man einem Geschäft nicht trauen kann, welches die Rechte seiner eigenen Belegschaft missachtet. Man hat dies als Wal-Mart-Klemme bezeichnet. Die Ergebnisse für die Belegschaft und die Lieferanten sind verhängnisvoll gewesen, so Jennings.
Yvon Bellemare (UFCW, Canada) berichtet den Teilnehmern von Wal-Mart's abfälligem Verhalten gegenüber den Arbeitnehmern in seinem Heimatland, während Paul Meinema und Louis Bolduc von derselben UNI Handel Mitgliedorganisation zuhören. Die anwesenden Gewerkschafter glauben kaum, was sie hören und sind gestärkt in ihrer Entschlossenheit, die Angelegenheiten der Arbeiterfamilien zum Besseren zu wenden. Nirgendwo ist dies so offensichtlich wie in Nordamerika, dem Heimatmarkt des Unternehmens. Dort versucht Wal-Mart nicht einmal, seine gewerkschaftsfeindliche Vorgehensweise zu verstecken. Auf der Webseite des Unternehmens wird dies sehr klar dargestellt: "Gewerkschaften (gilt nur für den U.S. Tätigkeitsbereich) Bei Wal-Mart respektieren wir die individuellen Rechte unserer Mitarbeiter und ermutigen sie dazu, ihre Ideen und Sorgen zu äussern. Weil wir eine Umgebung der offenen Kommunikation schaffen, glauben wir nicht an die Notwendigkeit einer Vertretung durch eine dritte Partei."
Links im Bild ist Olga Vinogradova, UNI Moskau, Jay Choi, UNI Seoul, Kim Hyung-Keun, Korea, John Haataja, Schweden, Miguel Angel Rodriguez Gomez, Spanien and Ruben Cortina, Argentinien. Offensichtlich wird dies auch im benachbarten Kanada angewendet. Allmählich ist die amerikanische Mitgliedsorganisation von UNI Handel, UFCW, im Unternehmen immer erfolgreicher. Arbeitnehmer bei Wal-Mart sagen offen, dass sie von der Gewerkschaft vertreten werden wollen. Manchmal zu einem hohen Preis, wie vor einiger Zeit in De Jonquiere in Quebec. Das Unternehmen aus Bentonville schloss den Laden und schickte hunderte Brotverdiener in die Arbeitslosigkeit, um einem Tarifvertrag zu entgehen. Es gibt eine starke Gewerkschaftspräsenz bei Wal-Mart. Unter der Belegschaft in Argentinien und Brasilien sind die Mitgliedsorganisationen von UNI Handel, FAECYS und SEPROSCOS, gut vertreten. Sie organisieren aktiv und haben Tarifvereinbarungen im Namen ihrer Mitglieder verhandelt. Die japanische UNI Mitgliedsorganisation JSD konnte wegen ihres eigenen Kongresses nicht teilnehmen. Sie ist bei Seiyu Wal-Mart ebenfalls zahlreich vertreten. Im Vereinigten Königreich gibt es zwei Gewerkschaften mit einer beachtlichen Mitgliedschaft bei Asda Wal-Mart, die UNI Mitgliedsorganisationen GMB und Usdaw. Diese Beispiele belegen, dass es tatsächlich möglich ist, einen Sozialdialog mit Wal-Mart aufzunehmen. In Deutschland, dem Gastland, waren die Arbeitsbeziehungen bei Wal-Mart immer angespannt. Nicht, dass das Unternehmen in der Lage gewesen wäre, gewerkschaftsfeindlich zu agieren. Dafür sind ver.di und die Betriebsräte bei Wal-Mart zu stark. Aber ein formaler Tarifvertrag auf Unternehmensebene konnte nicht zustande kommen. Stattdessen musste das Unternehmen durch seine Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaft zu einer Erklärung gezwungen werden, dass es die Regelungen die Rahmenvereinbarungen im Handel respektieren wird.
Ulrich Dalibor von ver.di und der Präsident von UNI-Europa Handel, Jörgen Hoppe, tauschen während der informellen Gespräche am Spreeufer ihre Ansichten über die Bekämpfungsmöglichkeiten der Walmartisierung aus. Auch Gewerkschaften, in deren Ländern Wal-Mart sich noch nicht niedergelassen hat, waren nach Berlin gekommen. Sie stellten klar, dass sich das Unternehmen im Falle eines Markteintrittes an die lokalen Bedingungen anpassen muss. Vor zehn Jahren versuchte bereits ein anderes multinationales Unternehmen - Toys"R"Us - Skandinavien mit einer Art von Wal-Mart-Konzept zu erobern. Dies hatte nicht funktioniert. Einige Monate nachdem es versucht hatte, das Recht der jungen Arbeitnehmer auf eine Gewerkschaftsmitgliedschaft zu behindern, war das Spiel bereits vorbei. Nach einer massgebenden Gewerkschaftsaktion blieb nichts anderes zu tun, als einen Tarifvertrag zu unterzeichnen, sich von diesen neuen Märkten zu verabschieden und den Geschäftsbereich an örtliche Franchiser zu geben, die unter anderem, unbefleckten Namen tätig wurden. Es werden also Empfangskomitees warten, wo immer das Unternehmen auftaucht. Nicht einmal in China ist es ihm gelungen, Gewerkschaftsstrukturen auszuschliessen. Das UNI Netzwerk und das neue Bündnis wird sich definitiv auch dorthin ausstrecken. Es wird eine entschiedene Antwort der Gewerkschaften auf die Herausforderungen durch Walmartisierung geben. Tatsächlich war die Idee einer globalen Gewerkschaftsallianz der UNI Handel gegen Walmartisierung bereits im vergangenen Jahr auf dem UNI Weltkongress und der Gipfelkonferenz von UNI Handel in Chicago geboren worden. Dieses Bündnis wurde nun auf dem Treffen in Berlin formalisiert und das Netzwerk zwischen den Mitgliedsorganisationen von UNI und anderen, die daran interessiert sind, ehrbare Arbeit im Handel zu verteidigen, gefestigt. Es ist nicht wirklich ein Problem, dass verschiedene Länder bei Wal-Mart mit unterschiedlichem Managementverhalten und -realitäten in Bezug auf Organisierung und Sozialdialog konfrontiert werden. Die Gewerkschaften der Globalen Allianz werden vereint zusammenhalten und den weltgrössten Einzelhändler dazu bringen, seine eigenen Arbeitnehmer, deren Menschen- und Gewerkschaftsrechte, sowie die Grundsätze achtbarer Arbeitsbeziehungen zu respektieren.
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