26. 01. 2004

Uni logo
Handel

Uni logo
Commerce
work in multinational
companies - Englisch

Uni logo
Commerce Wal-Mart pages - English

 

Handelsgewerkschaft erreicht beispielloses Vorzeigeresultat:
In Slowenien werden sonntags die Ladentüren wieder geschlossen

Wenn am Dienstag das slowenische Parlament seine Tagesordnung abschliesst, kann Franci Lavrac, Präsident der slowenischen Handelsgewerkschaft, hoffentlich auf ein ausserordentlich erfolgreiches Ergebnis der arbeitsreichsten Kampagne des letzten Jahres schauen. Bei einem Treffen in Wien in der vergangenen Woche berichtete Lavrac Alex Rüdig, von UNI Europa Handel, über die jüngsten Ereignisse im Kampf gegen die Ladenöffnungszeiten an Sonntagen. Die slowenische Organisation, das "jüngste" Mitglied von UNI Europa Handel, war der treibende Motor für eine Gesetzesänderung, die in der kommenden Woche beschlossen und im September in Kraft treten soll.

Demnach können Geschäfte in Slowenien maximal nur an zehn Sonntagen im Jahr geöffnet werden. Allerdings gilt das nur für Handelsunternehmen, die mindestens zu 50% Lebensmittel im Sortiment anbieten. Nur konkurrenzlose Geschäfte, wie beispielsweise Kleinläden in Krankenhäusern oder Geschäfte in Tankstellen oder an Flughäfen, sind vom neuen Sonntagsöffnungsverbot ausgeschlossen. Sie dürfen ihre Ware, wie bisher, an allen Sonntagen im Jahr anbieten. Durch eine strikte Verkaufsflächenbegrenzung auf 150m2 werden sie aber fortan am Versuch einer möglichen Expansion gehindert.

In Slowenien gab es bisher kein Verkaufsverbot an Sonntagen. Die Handelsgewerkschaft hatte eine monatelange Kampagne gegen diese Regelung geführt und dabei die notwendige Anzahl an Unterschriften gesammelt, die zur Erreichung der Volksabstimmung, deren Resultat für das slowenische Parlament bindend ist, erforderlich gewesen waren. Das Referendum bewies sich als erfolgreichstes, direkt nach der Abstimmung über den EU Beitritt. 500 000 Stimmberechtigte des kleinen, aber starken EU-Beitrittsstaates kamen zur Wahl, von denen 57% der Ladenöffnung am traditionellen Familien- und Freizeitstag eine klare Absage erteilten. Das überraschende und deutliche Mehrheitsresultat, das vielleicht wegweisend für andere Länder sein könnte, zeigt auch, dass die Interessen der Konsumenten doch keine uneingeschränkte Kaufsmöglichkeit verlangen, so wie es von den Handelsunternehmern oftmals behauptet wird.

Kaum ist dieser Erfolg errungen, schon bäumen sich die Handelsunternehmen auf. Sie fordern eine Übergangszeit von einem Jahr, um sich administrativ, technisch und personell auf die geänderten Bedingungen einzustellen. "Kaum nötig", kontert Franci Lavrac, "als ihr begonnen habt, die Sonntage für euch zu nutzen, habt ihr das auch über Nacht geschafft!"

Bleibt abzuwarten, ob es den Unternehmen bald gelingen wird, sich an die wiedergewonnene Ruhe zu gewöhnen. Von einer erfolgreichen Umsetzung des Verbotes ist Franci Lavrac überzeugt. Bei Gesetzesverstoss drohen den Unternehmen nämlich zumindest hohe finanzielle Konventionalstrafen.