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DGB Präsident,
Dieter Schulte
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Gründung des Union Network International (UNI) am 1. Januar 2000 ist ein wichtiges Zeichen für die internationale Gewerkschaftsbewegung gewesen. Eine Gewerkschafts-organisation
mit 15,5 Millionen Mitgliedern in mehr als 950 Gewerkschaften in 150 Ländern ist ein mächtiger Akteur auf der internationalen Bühne. Er kann seine Stimme für die Interessen der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erheben und dieser Stimme auch Gehör verschaffen. Das erhoffe ich mir auch vom ersten UNI-Weltkongress in Berlin.
Die Globalisierung und Digitalisierung haben zu großen Veränderungen der Weltwirtschaft und damit auch in der Arbeitswelt geführt. Vor allem im Bereich der neuen Technologien sind es
wenige große "global player", die die technische Entwicklung vorantreiben und die Märkte unter sich aufteilen. Sie nehmen dabei keine Rücksicht auf die Belange von Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmern. Hunderttausende von Arbeitsplätzen wurden nach Übernahmen abgebaut oder sind gefährdet; Kostensenkung durch Personalabbau ist zur Maxime des
shareholder-value-Denkens geworden. Die Beschäftigten sind damit einer doppelten Belastung ausgesetzt. Zum einen ist es die Angst um den Arbeitsplatz, zum anderen die
Notwendigkeit, sich an neue Arbeitsformen und Arbeitsabläufe anpassen zu müssen.
Für die Gewerkschaften ist dies Herausforderung und Chance zugleich. Dass wir uns der Herausforderung stellen haben wir bewiesen. Die Gründung von UNI ist dafür nur ein Indiz. Aber
wir wollen auch die Chance nutzen und zeigen, dass Gewerkschaften als Organisationen genauso eine Zukunft haben wie die Ideen, für die sie stehen.
Wir haben unser Auftreten den neuen Zeiten angepasst. Kampagnen per email sind für uns heute so selbstverständlich wie es früher Aktionen vor den Fabriktoren waren. Wir sind drin in
den neuen Kommunikationstechnologien und setzen sie in unserem Sinne ein.
Unser Erfolg hängt aber nicht nur von unserem Auftreten ab. Wichtiger ist, dass wir den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vermitteln können, dass unsere Ziele und unsere Werte
unverändert aktuell sind. So setzen wir uns für einen verbesserten Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Unternehmensübernahmen ein. Und wir wollen die Idee der
Mitbestimmung auch in der globalisierten Wirtschaft verankern. Mitbestimmung und Teilhabe sind die Grundlagen einer sozialen Marktwirtschaft, denen wir auch auf der internationalen
Bühne zum Durchbruch verhelfen müssen. Auf der europäischen Ebene ist uns das zum Beispiel mit der Richtlinie über die Beteiligung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in einer
europäischen Aktiengesellschaft gelungen.
Solidarität und Gerechtigkeit sind Ziele, für die wir in der globalisierten und digitalisierten Wirtschaft kämpfen müssen. Wir wehren uns gegen den Trend, Produktionsstandorte nur noch
nach einem möglichst niedrigen Lohnniveau und nach möglichst niedrigen sozialen Standards festzulegen. Wir wollen und werden dafür sorgen, dass auch global player die
Gewerkschaftsrechte anerkennen und einhalten. Und wir wollen diese Rechte weiterentwickeln. Deswegen erhoffe ich mir vom UNI-Weltkongress das eindeutige Signal, dass wir
Gewerkschaften wichtige Akteure auf der internationalen Bühne sind und unsere Möglichkeiten im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einsetzen
werden.
In diesem Sinne wünsche ich uns einen ergebnisreichen Kongress.
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