UNI 1st World Congress
Berlin, September 5-9 2001
Deutsch - English

 

 

 


Bundeskanzler Gerhard Schröder

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Weltkongresses der Union Network International,
wir leben in einer Zeit des raschen Wandels. Dienstleistungen treten mehr und mehr neben industriell geprägte Wirtschaftsstrukturen. Zwar brauchen wir auch in Zukunft eine starke industrielle Basis, doch werden Dienstleistungen und das Wissen der Menschen immer wichtiger. Die traditionelle Wirtschaft und die New Economy werden sich weiter gegenseitig durchdringen und dabei von einander profitieren.
Bei aller berechtigten - und wie die Ietzten Monate gezeigt haben auch unberechtigten - Euphorie um die New Economy als ,"Wirtschaftsmotor und Jobmaschine" kommen mir die Menschen manchmal zu kurz: Wie sind die Arbeitsbedingungen in den Branchen der Informations- und Kommunikationstechnologien? Können alle Menschen an den Chancen und Möglichkeiten, die die neuen Medien bieten, teilhaben?
Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in den Branchen der New Economy tätig sind, haben die gleichen Interessen wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den traditionellen Wirtschaftsbereichen: Mitsprache am Arbeitsplatz, bei Arbeitszeit und Arbeitsabläufen, Mitgestaltung der Zukunft des Unternehmens und der Entwicklung neuer Produkte. Hier wünsche ich mir, dass die Gewerkschaften weiter auf die Beschäftigten zugehen, sich für die Beschäftigten interessant machen und sich so diese neuen Branchen erschließen.
Unser gemeinsames Ziel bei der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien muss sein, möglichst vielen Menschen einen Zugang zu den neuen Medien zu ermöglichen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass dauerhaft Gräben zwischen Nutzern und Nichtnutzern bestehen. Das gilt national - hier haben wir bereits erste gute Erfolge erzielt - wie international.
Deshalb bin ich sehr froh, dass ihr "For the people in the New Economy - Für die Menschen in der Neuen Wirtschaft" als Motto für Euren 1. Weltkongress gewählt habt. Dass die neuen Medien nicht nur die Lern- und Berufswelt nachhaltig verändern, sondern auch zur Verständigung der Kulturen beitragen werden, das ,"globale Dorf" also nicht nur virtuell im Internet besteht, zeigt ihr in diesen Tagen in Berlin: 1'500 Delegierte aus aller Herren Länder treffen sich und tauschen Gedanken und Erfahrungen aus.
Mit diesem Kongress in Berlin verschafft Ihr Euch aber auch auf internationalem Parkett Gehör, denn Union Network International, das sind mehr als 15 Millionen Gewerkschaftsmitglieder in mehr als 950 Gewerkschaften in rund 150 Ländern. Die schiere Größe - und die ist für sich genommen ja imposant genug - ist dabei aber nicht das Entscheidende. Was zählt, sind gezielte Informationen und erfolgreiches Eintreten für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den vertretenen Bereichen.
Gerade für eine internationale, weltweit agierende Gewerkschaftsorganisation im breit gefächerten Dienstleistungssektor ist es besonders wichtig, Kräfte zu bündeln, um mit einer starken Stimme zu sprechen. Deshalb war der Zusammenschluss der Kommunikations-lnternationalen (KI), des Internationalen Bundes der Privatangestellten (FIET), der Internationalen Graphischen Föderation (IGF) und der Medien- und Unterhaltungs-Internationalen (MEl) zur Union Network International für mich ein Meilenstein der internationalen gewerkschaftlichen Kooperation.
Ich bin überzeugt: Auch das 21. Jahrhundert wird von dem Ringen um soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Teilhabe und Selbstbestimmung geprägt sein. In diesem Sinne wünsche ich dem Weltkongress und ganz besonders auch der vorausgehenden Weltfrauenkonferenz in Berlin einen erfolgreichen Verlauf.

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