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Bundeskanzler
Gerhard Schröder
Liebe
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Weltkongresses der Union Network
International,
wir leben in einer Zeit des raschen Wandels. Dienstleistungen treten mehr
und mehr neben industriell geprägte Wirtschaftsstrukturen. Zwar brauchen
wir auch in Zukunft eine starke industrielle Basis, doch werden
Dienstleistungen und das Wissen der Menschen immer wichtiger. Die
traditionelle Wirtschaft und die New Economy werden sich weiter
gegenseitig durchdringen und dabei von einander profitieren.
Bei aller berechtigten - und wie die Ietzten Monate gezeigt haben auch
unberechtigten - Euphorie um die New Economy als ,"Wirtschaftsmotor
und Jobmaschine" kommen mir die Menschen manchmal zu kurz: Wie sind
die Arbeitsbedingungen in den Branchen der Informations- und
Kommunikationstechnologien? Können alle Menschen an den Chancen und
Möglichkeiten, die die neuen Medien bieten, teilhaben?
Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in den Branchen der New
Economy tätig sind, haben die gleichen Interessen wie ihre Kolleginnen
und Kollegen in den traditionellen Wirtschaftsbereichen: Mitsprache am
Arbeitsplatz, bei Arbeitszeit und Arbeitsabläufen, Mitgestaltung der
Zukunft des Unternehmens und der Entwicklung neuer Produkte. Hier wünsche
ich mir, dass die Gewerkschaften weiter auf die Beschäftigten zugehen,
sich für die Beschäftigten interessant machen und sich so diese neuen
Branchen erschließen.
Unser gemeinsames Ziel bei der Nutzung der Informations- und
Kommunikationstechnologien muss sein, möglichst vielen Menschen einen
Zugang zu den neuen Medien zu ermöglichen. Wir dürfen es nicht zulassen,
dass dauerhaft Gräben zwischen Nutzern und Nichtnutzern bestehen. Das
gilt national - hier haben wir bereits erste gute Erfolge erzielt - wie
international.
Deshalb bin ich sehr froh, dass ihr "For the people in the New
Economy - Für die Menschen in der Neuen Wirtschaft" als Motto für
Euren 1. Weltkongress gewählt habt. Dass die neuen Medien nicht nur die
Lern- und Berufswelt nachhaltig verändern, sondern auch zur
Verständigung der Kulturen beitragen werden, das ,"globale Dorf"
also nicht nur virtuell im Internet besteht, zeigt ihr in diesen Tagen in
Berlin: 1'500 Delegierte aus aller Herren Länder treffen sich und
tauschen Gedanken und Erfahrungen aus.
Mit diesem Kongress in Berlin verschafft Ihr Euch aber auch auf
internationalem Parkett Gehör, denn Union Network International, das sind
mehr als 15 Millionen Gewerkschaftsmitglieder in mehr als 950
Gewerkschaften in rund 150 Ländern. Die schiere Größe - und die ist
für sich genommen ja imposant genug - ist dabei aber nicht das
Entscheidende. Was zählt, sind gezielte Informationen und erfolgreiches
Eintreten für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in
den vertretenen Bereichen.
Gerade für eine internationale, weltweit agierende
Gewerkschaftsorganisation im breit gefächerten Dienstleistungssektor ist
es besonders wichtig, Kräfte zu bündeln, um mit einer starken Stimme zu
sprechen. Deshalb war der Zusammenschluss der
Kommunikations-lnternationalen (KI), des Internationalen Bundes der
Privatangestellten (FIET), der Internationalen Graphischen Föderation (IGF)
und der Medien- und Unterhaltungs-Internationalen (MEl) zur Union Network
International für mich ein Meilenstein der internationalen
gewerkschaftlichen Kooperation.
Ich bin überzeugt: Auch das 21. Jahrhundert wird von dem Ringen um
soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Teilhabe und Selbstbestimmung
geprägt sein. In diesem Sinne wünsche ich dem Weltkongress und ganz
besonders auch der vorausgehenden Weltfrauenkonferenz in Berlin einen
erfolgreichen Verlauf.
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