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Globale
Gewerkschaftsagenda
Welthandel, Finanz, Technologie und immer mächtigere Mega-Konzerne
stellen die Arbeitsmärkte weltweit unter völlig neue Vorzeichen.
Nationale Lösungen reichen nicht mehr aus, um dem durch die Jagd auf die
billigsten und am wenigsten geschützten Arbeitskräfte und die
minimalsten Bedingungen ausgelösten 'Wettlauf nach unten' Einhalt zu
gebieten oder einen Dialog mit den weltgrößten Firmen herbeizuführen.
Die heutige Gewerkschaftsagenda hat globalen Charakter.
Auf den Devisenmärkten beläuft sich das tägliche Handelsvolumen auf
1'900 Milliarden Dollar. Die Unternehmen verlagern Geschäftsbereiche in
Betriebe in nächster Nähe oder ins ferne Ausland und bauen Tausende von
Arbeitsplätzen ab, mit dem Ziel, die Aktienkurse in die Höhe zu treiben.
Regierungen werden zu Kunden ihrer größten Unternehmen, wobei sie
Flexibilität für Unternehmen propagieren und privaten Firmen vor öffentlichen
Betrieben den Vorzug geben. Die einzelnen Industrien werden immer stärker
von einer kleinen Gruppe multinationaler Konzerne beherrscht, deren
wirtschaftliche Bedeutung diejenige der Länder, in denen sie tätig sind,
oft übersteigt.
Die Antwort der UNI ist eine globale Gewerkschaftsagenda, die eine
Globalisierung mit menschlicher Prägung ermöglichen soll. Die
Hauptbestandteile dieser Agenda sind globale Organisierung, Arbeitnehmer-
und Gewerkschaftsrechte, menschenwürdige Arbeit und Allianzen zwischen
Gewerkschaften, die Mitglieder in den multinationalen Unternehmen
vertreten. Wir wollen eine Welt, die erschwingliche Gesundheitsdienste und
echte Chancengleichheit gewährleistet, eine Welt, die den Menschen in den
Mittelpunkt stellt.
UNI ist die globale Gewerkschaft für Fach- und Dienstleistungsberufe mit
weltweit 15 Millionen Mitgliedern. Sie vereinigt 1'000 Organisationen, um
eine echte 'Global Union' zu bilden, die mit multinationalen Unternehmen
umgehen und die Interessen der Arbeitnehmer/innen bei Regierungen,
regionalen Einrichtungen und globalen Agenturen wirksam vertreten kann.
Wir werden gewinnen, wenn wir stärker sind und gemeinsam vorgehen.
UNI unterstützt Frauen bei der Gestaltung ihres Berufslebens für die
Zukunft - in der formellen und der informellen Wirtschaft, und sie verfügt
über ein globales Netz junger Aktivisten. Sie fördert die Befähigung
zur Selbstbestimmung von Gewerkschaften in Entwicklungsländern und stellt
missbräuchliche Praktiken in allen Teilen der Welt heraus.
UNI will Gewerkschaftsmitglieder zu globalen Akteuren machen.
Globale
Organisierung
Vereinigungsfreiheit,
Kollektivverhandlungsrecht und Nichtdiskriminierung sind wesentliche
Bestandteile der von Regierungen, Arbeitgebern und Gewerkschaften im
Rahmen der Internationalen Arbeitsorganisation vereinbarten globalen
Arbeitsrechte. Die Gewerkschaftszugehörigkeit gibt Vollzeit- und
Teilzeitbeschäftigten, Festangestellten und freiberuflich Tätigen eine
Stimme und verleiht ihnen Stärke. Voraussetzungen für die Gewährleistung
dieser Rechte sind die globale Organisierung und eine globale Überwachung.
UNI
hat globale Allianzen und virtuelle Ausschüsse in maßgeblichen
multinationalen Unternehmen gebildet, um für Gewerkschaften, die in
diesen Firmen vertreten sind, gemeinsame Foren zu schaffen, die die
gewerkschaftliche Organisierung weltweit erleichtern und verbessern
sollen. Das praktische Vorgehen besteht in der Unterzeichnung globaler
Abkommen mit multinationalen Großunternehmen, die sich vertraglich
verpflichten, überall, wo sie tätig sind, die Arbeitsrechte einzuhalten
und eine gewerkschaftliche Organisierung sowie die Überwachung ihres
Verhaltens zu ermöglichen. UNI hat bereits mehrere Abkommen dieser Art
unterzeichnet und setzt sich zielstrebig dafür ein, dass weitere globale
und regionale Firmen auf vertraglichem Weg für die Achtung der
Arbeitsnormen gewonnen werden.
UNI
hat zahlreiche Organisierungsinitiativen eingeleitet, mit dem Ziel, vor
allem junge Beschäftigte (in zunehmendem Maße Frauen) in der neuen
Wirtschaft als Mitglieder zu gewinnen, demokratische Organisationen zu
schaffen, wo diese noch nicht vorhanden sind, und an der Organisierung von
Beschäftigten in den Zielländern mitzuwirken, in die die Arbeit
ausgelagert wird. UNI führt globale Organisierungstätigkeiten in dem
weltweit rasch expandierenden Sektor der Kundenkontaktzentren durch.
Globale
Gewerkschaften für globale Sektoren
Die
UNI-Sektoren - Handel, Finanz, Post, Telekom, IBITS (Industrie,
Unternehmensdienste, IT), Graphik, Wartungs- und Sicherheitsdienste,
Medien und Unterhaltung, Spielkasinos, Elektrizität, Friseur- &
Kosmetikdienste, Sozialversicherung
und Gesundheitsdienste und Tourismus - werden aufgrund des
zunehmend globalen Charakters dieser Industrien zu 'Global Unions'. Ihre
Aufgabe besteht darin, neue Allianzen zu bilden, höhere Standards zu
erreichen und ein Gegengewicht zu der Macht von multinationalen
Unternehmen zu schaffen. Sie verleihen nationalen Gewerkschaften eine
globale Komponente.
Organisierung
für menschenwürdige Arbeit
Menschenwürdige
Arbeit lautet das globale Ziel der IAO und der globalen Gewerkschaften.
Das bedeutet, dass der gegenwärtige Verlauf der Globalisierung in neue
Bahnen gelenkt werden muss, damit alle Zugang zu menschenwürdiger Arbeit,
fairen Einkommen, Gleichheit, Beschäftigungssicherheit und Sozialschutz
erhalten und die Voraussetzungen für Vereinigungs-, Verhandlungs- und
Dialogfreiheit geschaffen werden können.
Das
neue Phänomen ist Offshoring: Glasfaserkabel ermöglichen heute eine
Verlagerung von Arbeit rund
um die Welt. UNI hat deshalb eine Offshoring-Charta veröffentlicht,
die Gewerkschaften in Ursprungs- und Zielländern helfen soll, die
Voraussetzungen für Beschäftigungssicherheit und menschenwürdige Arbeit
zu schaffen. Die UNI-Call Center-Charta soll zu einer Anhebung der
Standards in dieser neuen Schlüsselindustrie beitragen.
Der
globale Druck hat eine massive Migrationswelle ausgelöst, und UNI will
mit ihrem UNI-Pass-System sicherstellen, dass die mobilen Arbeitskräfte
im Ausland die erforderliche Unterstützung durch Gewerkschaften erhalten.
Kampagnen
in den Regionen
UNI
umfasst vier aktive Regionalorganisationen, die sich auf ihren jeweiligen
Kontinenten als wichtige Akteure profilieren. Sie arbeiten eng mit
UNI-Gewerkschaften zusammen, um eine soziale Dimension der
voranschreitenden regionalen Wirtschaftsintegration zu gewährleisten und
Einrichtungen wie die Europäische Union, Mercosur, ASEAN und die
Afrikanische Union zu beeinflussen.
Festlegung
globaler Standards
Firmenskandale
haben die USA und Europa erschüttert, Tausende von Menschen ihrer Arbeit
beraubt und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt. Die Geldgier der
Unternehmensbosse hat eine tiefe Lohnkluft zwischen ihnen und anderen
Beschäftigtengruppen geschaffen. Ein ethisches Verhalten multinationaler
Unternehmen ist angesichts ihrer stets wachsenden Macht und ihrer
zunehmenden Marktbeherrschung weltweit von entscheidender Bedeutung.
Für
das Verhalten der großen Multis wurden Leitlinien ausgearbeitet, die von
Organisationen wie der IAO, der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der UNO im Rahmen ihres 'Global
Compact' gefördert werden. Globale Abkommen zwischen UNI und
multinationalen Unternehmen tragen dazu bei, dass Firmen, die sich in
ihren Ursprungsländern korrekt verhalten, ethische Grundsätze auch im
Ausland respektieren.
Wichtige
Vorbedingung für die wirksame Umsetzung von Abkommen und Leitlinien ist
jedoch die globale Zusammenarbeit der Gewerkschaften.
UNI
hat eine globale Kampagne zur Organisierung der Beschäftigten von
Wal-Mart, dem größten Einzelhandelskonzern der Welt, eingeleitet, der in
seiner Heimat, der USA, eine rücksichtslose Antigewerkschaftspolitik
betreibt und Löhne und Bedingungen drückt.
Globale
Solidarität
UNI
ist im Begriff, ein wirksames Netz globaler Gewerkschaften aufzubauen.
Die
UNI-Entwicklungsabteilung fördert Gewerkschaften in den jungen
Marktwirtschaften, um sicherzustellen, dass den Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern auf der ganzen Welt kollektive Organisierungs- und
Verhandlungsrechte gewährt werden.
UNI-Online
ermöglicht Gewerkschaften auf allen vier Kontinenten den Zugang zum
Internet und trägt zur Überbrückung der digitalen Kluft und zur Stärkung
des UNI-Netzes bei.
Die
UNI-Solidaritätsabteilung beantwortet Unterstützungsgesuche innerhalb
von 24 Stunden.
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"UNI
ist unsere globale Gewerkschaft. Mit den Gewerkschaften und ihren
Mitgliedern stellen wir uns den Herausforderungen einer zunehmend
globalen Wirtschaft.
Unsere
Vision: genügend Arbeitsplätze, Gerechtigkeit und
menschenwürdige Arbeit überall auf der Welt."
Philip
Jennings, UNI-Generalsekretär
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